Trends im Grafikdesign

23 Okt 2013
chairlines - Trends im Grafikdesign

Die visuelle Wahrnehmung von Unternehmen in den modernen Medien ist grundsätzlich von den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der visuellen Kommunikation abhängig. Der Prozess der Informationsaufnahme durch Kunden wird wesentlich durch die grafische Gestaltung des korporativen Stils gesteuert. Auch im Grafikdesign gibt es immer wieder Tendenzen oder auch Trends die von den Grafikdesignern verstärkt verfolgt werden. Dabei kommen vielfältige künstlerische und technische Mittel zum Einsatz.

Beginn des Grafikdesign

Der Begriff Grafikdesign wurde von William Addison Dwiggins (* 1880; † 1956) 1922 geprägt. Vorher waren Drucker, Typografen, Schriftsetzer, Grafiker und Designer oft ein und dieselbe Person. Heute sind Grafik, Design und visuelle Kommunikation eine Untergruppe des Kommunikationsdesigns. Grafikdesign ist relativ fest mit den Anforderungen moderner Gesellschaften verankert. Schwerpunkte sind Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kommunikationsaufgaben von Wissenschaft und Kultur. Die Entwicklung des Grafikdesign ist jedoch nicht überall an die Industrielle Revolution gekoppelt. So hatten zum Beispiel in Frankreich soziales und politisches Engagement (nach der Studentenrevolte 1968) und (Plakat-)Kunst einen sehr starken Einfluss.

Trends, die den Markt bestimmen

Trends im Layout und im werblichen Design folgen zwar grafischen Moden, spiegeln aber auch das aktuelle kollektive Empfinden einer Gesellschaft wider. Trends werden von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen beeinflusst. Zudem spürt der Verbraucher, wenn ein Unternehmen sich nach außen anders präsentiert, als es in Wirklichkeit denkt oder handelt. Dazu gehört auch, nach innen einheitlich aufzutreten und das Corporate Design intern konsequent zu verfolgen und anzuwenden. Der Mega-Trend ist die Entstrukturierung und Individualisierung im Grafikdesign. Damit reagieren die Branchen auf das veränderte Konsumentenverhalten.

Grafikdesign ist ständig in Bewegung. Es gibt Tendenzen in verschiedenen Disziplinen. Wo fängt man an, wo hört man auf? Typografie, Illustration, Fotografie, 3-D, Motion-Design? Design ist interdisziplinär und die Gewichtung der einzelnen Disziplinen ist abhängig von der Aufgabe und dem avisierten Ziel. Teilweise prägen programmtechnische Möglichkeiten den visuellen Output, z.B., als Programme die einfachere Handhabung von Transparenzen, Schatten oder Reliefkanten boten, veränderte sich viel im Editorial-Design. Die breite Masse arbeitete daraufhin sehr viel mit Glossyeffekten und Buttonformen wie bei App-Icons.

Aktuelle Stimmung

Eine vermehrte Aktivität in der Gesellschaft ist festzustellen (Piraten, Occupy). Dies spiegelt sich in großen Erregungskurven in den Social Media wider. Ein direkterer Kontakt zu Unternehmen sowie die ökologische und soziale Nachhaltigkeit werden wichtiger. Dies spiegelt sich in einer Zunahme von Sozialanzeigen (z.B. REWE: Familienfreundlich + Karriere + Umwelt in einer Anzeige) wider. Die Unternehmen zeigen, wie sie sich die Gesellschaft vorstellen.

Ein Trend ist die Heimat-Bezogenheit, welche sich im Vintage-/Retrolook und alten Namen zeigt. Grund ist das vermehrte Bedürfnis nach Ruhe, einem Zentrum, heiler Welt. Ein Beispiel ist der Erfolg der Zeitschrift „Landlust„. Die Beleuchtung des sozialen Umfelds wird wichtiger, Orte im Namen verstärken den Lokalbezug, vermehrt sollen Senioren angesprochen werden.

Layout

Die genannten Trends in der Gesellschaft reflektieren sich im Grafikdesign durch hochaktive, lebendige Layouts. Hohe Kontraste und vordergründig verwendete große Bilder/Aufmacher (auch Freisteller) unter Verwendung von viel Weissraum (= wirtschaftliche Entspannung) gehören dazu. Formen werden nicht mehr mit abgerundeten Ecken versehen, Verläufe und Glanz-Effekte (Glossy-Style) fallen weg. Aus „abgerundet“ wirkenden Layouts werden Geradlinige. Zudem werden prägnante Überschriften formuliert. Der Print-Bereich wird im gesamten wieder eigenständiger (nicht iPad-optimiert).

Farbspiel

Erstaunlicherweise hat sich weiß als überwiegende Farbe durchgesetzt. Der Hintergrund und auch der überwiegende Teil des Seiteninhalts bei Webseiten enthalten oft viele Weiß-Flächen. Blau und Braun sind ebenfalls ein klarer Trend, sowohl in Fotos als auch in Layouts. Kombiniert wird dies gerne mit leuchtenden Farben (Orange, Hellblau), um so einen lebendigen Kontrast zu schaffen.

Umgang mit Schriften

Der Umgang mit Typografie wird aufgeräumter, aber es gibt es auch viele gute experimentelle typografische Arbeiten, aber auch hier ist die Wahl der Mittel abhängig davon, was man mit der Arbeit aussagen möchte. Momentan findet man lebendige Dreidimensionalität zusammen mit Typografie – eine interessante Kombination. Sei es 3-D-Typo im Raum, organisch gewachsen, aus Alltäglichem zusammengestellt oder dreidimensionale Objekte, die im Zusammenspiel mit Typografie ein Spannungsfeld erzeugen.

Die Typografie folgt dem Layout, ist klassisch und rhythmisch. Oft ist die Schrift farblos, sprich schwarz. Gern werden leichte Schriften verwendet, für die Begleitung von Illustrationen auch handgeschriebene Kalligrafie.

Fotografie

Die Aktivität spiegelt sich auch in der Fotografie bzw. in den verwendeten Bildern in Layouts wieder. Die Fotos zeigen erzählende Bilder, die Geschichten vermitteln wollen. Die Körperhaltung der Personen ist offen, die Bewegungen gehen sogar aus dem Layout heraus. Gern werden auch zwei verschiedene Motive verwendet, so dass der Betrachter aktiv eine Beziehung herstellt.

Auch die Wahl der Models hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Begehrt sind individuelle Typen, echte Originale. Tattoos, ausgefallene Frisuren und Männer mit Bart werden gern gesehen. Die geschniegelten Models sind out: weibliche Models sind im Durchschnittsalter um 5 Jahre höher als früher, Männer sollen Maskulinität ausstrahlen. Ein leicht freakiges Aussehen ist willkommen, Karrieretypen sind derzeit weniger gefragt.

QR-Codes

Ein weiterer Mega-Trend: Der Einsatz von QR-Codes. Geradezu explosionsartig haben QR-Codes in diesem Jahr den Weg, vor allem in die Printwerbung, gefunden. Verbreitet ist die kodierte Abbildung einer Webadresse, verwendet in Zeitschriften, Informationsblättern oder großformatig auf Werbeplakaten. Der Vorteil dieser Methode ist, dass das mühsame Abtippen entfällt. Neben URLs enthalten QR-Codes in der Praxis beispielsweise Telefonnummern, Adressen, informierende Texte, Premium-SMS, vCards, WLAN-Zugangsdaten oder Geodaten.

Fazit

Die Anforderungen an Designer steigen stetig und sind Fachbereich-übergreifend. In erster Linie hilft es, gut organisiert und strukturiert aufgestellt zu sein. Dann heißt es beobachten und mit offenen Augen durchs Leben gehen, über den Tellerrand hinausschauen, aber auf ein Kerngebiet fokussieren. „Gutes Design“ entsteht aus den verschiedenen Ansprüchen hinsichtlich Ästhetik, Nutzen, Praktikabilität und anderen Faktoren, welche nur von einem theoretischen Ideal-Design alle gleichermaßen erfüllt werden können. Dadurch ist Design vor allem zweckorientiert. In der Designtheorie wurde dafür der Begriff der Funktionalität geprägt. Nicht zuletzt durch seine Zweckorientierung unterscheidet sich Grafikdesign von der Kunst.

Grafikdesign-Quiz

In diesem amüsanten Videoquiz mit vielen Fragen rund um das Kommunikationsdesign, Typografie und Gestaltung können Sie Ihr Wissen in puncto Grafikdesign testen.
Erstellt wurde dieses Video von kreativkarriere.de. Wir wünschen viel Spaß beim Lösen der Fragen!